Prüfen Sie Ihre Website
in 20 Minuten

Sieben Dinge, die Sie selbst prüfen können — ohne Werkzeuge, ohne Entwickler. Sortiert danach, was bei unserem Audit von 253 österreichischen Websites tatsächlich am häufigsten fehlte.

Oleksii Kovalenko · 14. September 2026 · 7 Min. Lesezeit

Das ist keine Entwickler-Checkliste. Es ist das, was Betreiber selbst überprüfen können, in einem Durchgang, bevor sie irgendjemandem Geld geben — uns eingeschlossen. Die Reihenfolge ist nicht beliebig: sie folgt dem, was tatsächlich fehlte, als wir 253 österreichische Websites geprüft haben.

Bevor Sie beginnen

Maßstab ist WCAG 2.1 Stufe AA — derjenige, auf den das Barrierefreiheitsgesetz verweist. Sie werden mit dieser Liste nicht „bestehen“ oder „durchfallen“. Sie werden erfahren, ob Sie ein kleines oder ein großes Problem haben, und mehr brauchen Sie für die nächste Entscheidung nicht.

Prüfen Sie die Seiten, auf die es ankommt: die Startseite, eine Inhaltsseite und — das wird regelmäßig übersprungen — den gesamten Weg vom Produkt bis zur bestätigten Bestellung oder vom Formular bis zum Absenden. Dort greift das Gesetz, und genau dort wird nie getestet.

1. Lässt sich zoomen?

Fehlte bei 15,5% der Shops · 31,3% der Apotheken

Öffnen Sie die Website am Telefon und ziehen Sie mit zwei Fingern auf. Passiert nichts, hat das jemand unterbunden — meist vor Jahren, damit ein Layout nicht verrutscht.

Das ist der härteste Punkt auf dieser Liste und der billigste zu beheben: ein einziges Attribut im Seitenkopf, wenige Minuten. Betroffen sind ausgerechnet die Menschen, die auf Apotheken- und Ordinationsseiten überrepräsentiert sind.

2. Gehen Sie mit der Tabulatortaste durch

Legen Sie die Maus weg. Drücken Sie von oben wiederholt Tab und beobachten Sie.

  • Sehen Sie immer, wo Sie sind? Verschwindet die Markierung, navigieren Tastaturnutzer blind. Jemand hat den Fokusrahmen entfernt, weil er unordentlich aussah.
  • Ergibt die Reihenfolge Sinn? Sie sollte der Leserichtung folgen und nicht springen.
  • Kommen Sie überall wieder heraus? Öffnen Sie Cookie-Banner, Menü, Suchoverlay — und verlassen Sie sie nur mit der Tastatur. Bleiben Sie hängen, ist das eine Tastaturfalle und ein harter Verstoß.
  • Können Sie einen Kauf abschließen oder das Formular senden? Ganzer Weg, ohne Maus.

Kein Werkzeug findet das. Es ist der wertvollste Punkt auf dieser Seite.

3. Haben Ihre Icon-Buttons Namen?

Fehlte bei 57,8% der Shops · 67,7% der Hotels — nach Kontrast der häufigste Verstoß

Die Lupe, das Hamburger-Menü, die Pfeile in der Galerie, die kleine Weltkugel für die Sprache, das X zum Schließen. Visuell selbsterklärend — und für einen Screenreader melden die meisten davon gar nichts, nur „Link“.

Sie können das ohne Werkzeuge prüfen: mit Tab auf jedes Icon springen und in die Statusleiste des Browsers schauen, oder sich vom Ersteller den zugänglichen Namen jedes Icons zeigen lassen. Zu beheben ist meist ein Attribut je Element — und aus einer stummen Oberfläche wird eine bedienbare.

4. Ist der Text lesbar?

Fehlte bei 80,6% der Shops — der häufigste Verstoß überhaupt

Grauer Text auf Weiß, heller Text über einem Foto, ein blasser Platzhalter im Formularfeld. Verlangt ist ein Kontrastverhältnis von 4,5:1 für normalen und 3:1 für großen Text.

Schätzen Sie das nicht mit dem Auge — Ihre Augen sind besser, als der Standard annimmt, und Sie wissen ohnehin schon, was dort steht. Nehmen Sie einen beliebigen kostenlosen Kontrastrechner und die beiden Hex-Werte Ihrer Palette.

Beheben Sie es in den Design-Tokens, nicht Seite für Seite. Kontrastfehler treten gehäuft auf, weil sie aus einer einzigen Palettenentscheidung stammen. Wir hatten das auf unserer eigenen Website: ein Paar aus unserem Markenleitfaden maß 1,81:1 bei geforderten 4,5. Zu ändern, wo eine Farbe überhaupt auftreten darf, löste alle Fälle auf einmal.

5. Sagen Ihre Bilder etwas?

Fehlte bei 25,2% der Shops

Jedes bedeutungstragende Bild braucht einen Alternativtext. Zwei Fehler sind gleich häufig: das Feld beim Produktfoto leer lassen — und es mit „bild1.jpg“ oder einer Keyword-Ansammlung füllen.

Die Probe ist einfach: Wenn das Bild verschwände, was müsste man der Person sagen? Bei einem Produkt das Produkt. Bei einer dekorativen Zierde nichts — sie sollte als dekorativ markiert statt beschrieben werden.

6. Haben Ihre Formulare echte Beschriftungen?

Klicken Sie direkt auf das Wort „E-Mail“ über einem Feld. Springt der Cursor ins Feld, ist die Beschriftung korrekt verknüpft. Passiert nichts, ist es bloß Text daneben, und assistive Technik kann nicht zuordnen, wohin er gehört.

Senden Sie das Formular dann absichtlich falsch ab. Sagt die Fehlermeldung, was zu tun ist? „Ungültige Eingabe“ in Rot ist keine Fehlermeldung, sondern eine Farbe. Wer Rot nicht sieht, erfährt daraus nichts.

7. Bewegt sich etwas von selbst?

Karussells, automatisch startende Videos, Parallax, Lauftexte. Zwei Regeln: Alles, was sich länger als fünf Sekunden bewegt, muss anhaltbar sein, und nichts darf öfter als dreimal pro Sekunde blinken.

Ist im Betriebssystem „Bewegung reduzieren“ aktiv, sollte die Website das respektieren. Unsere tut es — der Lauftext hält an.

Was diese Liste nicht abdeckt

Sie findet vielleicht die Hälfte dessen, worauf es ankommt. Sie sagt Ihnen nicht, ob ein Screenreader Ihren Dialog korrekt ansagt, ob Ihre Tabellenüberschriften den Zellen zugeordnet sind, ob Ihr eigenes Dropdown seinen Zustand meldet oder ob die Fehlerübersicht den Fokus dorthin bewegt, wo er hingehört. Das braucht Tests mit assistiver Technik durch jemanden, der das regelmäßig macht.

Es ist auch keine rechtliche Einschätzung. Ob das Barrierefreiheitsgesetz für Ihr Unternehmen gilt, hängt von Größe und Angebot ab — eine Frage für eine österreichische Rechtsanwältin, nicht für eine Checkliste.

Wenn Sie etwas gefunden haben

Beheben Sie in dieser Reihenfolge, sie entspricht ungefähr der Härte pro Arbeitsstunde:

  1. Zoom-Sperre — Minuten
  2. Namen für Icon-Buttons und -Links — je ein Attribut
  3. Sichtbarer Fokus — meist eine CSS-Regel
  4. Kontraste, in der Palette statt pro Seite
  5. Alternativtexte bei echten Bildern
  6. Formularbeschriftungen und Fehlermeldungen
  7. Alles, was die Tastatur zutage gefördert hat — das ist die eigentliche Arbeit

Die Punkte 1 bis 3 sind meist ein Nachmittag und nehmen einen überraschend großen Teil der täglichen Reibung für echte Nutzer weg. Punkt 7 braucht eine Entwicklerin — und ist das, worum es im Gesetz eigentlich geht.

01Nächster Schritt

Den Rest der Liste?

Ein richtiges Audit verbindet die automatische Prüfung mit manueller Kontrolle — Tastatur, Fokusreihenfolge, Screenreader, Formulare — und liefert je Behebung eine Stundenschätzung, priorisiert.